Wie wir arbeiten
Vom Forum zur Website — und warum wir uns die Mühe machen
Wer eine Website für ein Rechercheprojekt baut, entscheidet nicht nur über Technik. Er entscheidet darüber, wer später Zugriff hat, was passiert, wenn ein Anbieter die Bedingungen ändert, und wie leicht sich Inhalte im Zweifel retten lassen.
Das klingt nach einer Frage für Fachleute. Ist es aber nicht. Es ist die Frage, ob das, was wir hier zusammentragen, in zwei Jahren noch da ist.
Dieser Text erklärt, wie wir arbeiten. Nicht weil unsere Werkzeuge besonders wären, sondern weil Nachvollziehbarkeit unser wichtigstes Versprechen ist. Wer prüfen können soll, was wir schreiben, muss auch wissen, wie es entsteht.
Die Werkstatt
Alles beginnt in einem Forum, das nur wir sehen. Dort liegen die halbfertigen Sachen: ein Zeitungsausschnitt, den jemand aufgehoben hat, eine Beobachtung von einer Veranstaltung, ein Protokoll, das öffentlich zugänglich ist, aber niemandem auffällt. Manches davon wird nie ein Beitrag. Das meiste liegt Wochen.
Diese Trennung ist Absicht. Was in der Werkstatt liegt, ist unfertig, unbelegt, manchmal falsch. Wer hier mitarbeitet, darf sich irren, ohne dass es jemand liest. Das ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt jemand etwas hineinschreibt.
Ein Beitrag verlässt die Werkstatt erst, wenn drei Dinge stimmen.
Erstens: Jede Behauptung hat einen Beleg. Nicht „hat man gehört", nicht „steht im Netz". Eine Quelle mit Namen, Datum und Fundstelle. Wo es geht, das Original — ein Protokoll, ein Bescheid, eine Satzung, eine Pressemitteilung im Wortlaut. Berichterstattung anderer nehmen wir dazu, aber sie ersetzt den Beleg nicht.
Zweitens: Jemand anders hat es gelesen. Wer schreibt, prüft nicht sich selbst. Das ist keine Förmlichkeit. Man übersieht die eigenen Sprünge, weil man den Weg dorthin kennt.
Drittens: Der Text sagt, was er nicht weiß. Wo die Belege nicht reichen, steht das dort. Ein offener Punkt schwächt einen Text nicht — er macht ihn prüfbar. Misstrauisch machen uns Texte ohne Lücken.
Erst dann bekommt ein Beitrag im Forum die Markierung „freigegeben". Und ab da übernimmt die Technik.
Was dann passiert
Ein Skript sieht regelmäßig im Forum nach, welche Beiträge diese Markierung tragen. Es holt Text, Bilder und Quellenangaben, wandelt sie in das Format der Website um und legt sie hier ab. Wer in der Werkstatt arbeitet, muss sich um die Veröffentlichung nicht kümmern.
Das ist bequem, aber nicht der eigentliche Grund. Der Grund ist, dass der Weg vom Fundstück zum Beitrag immer derselbe ist. Es gibt keine Abkürzung, bei der jemand mal eben etwas direkt auf die Website stellt. Was hier steht, hat die Werkstatt durchlaufen.
Wie streng das ist, sehen Sie an jedem Beitrag selbst.
Unter der Überschrift steht eine Zeile, die wir Herkunftsstreifen nennen: wann der Text freigegeben wurde, wie viele Belege er hat, wie viele davon Originale sind, und ob er nach der Freigabe redaktionell bearbeitet wurde. Kein Werbetext, sondern ein Kassenbon.
Am Ende jedes Beitrags steht der Quellenapparat, eingeklappt, mit der Anzahl im Kopf — „7 Quellen". Ein Klick, und die Liste ist da: Bezeichnung, Art der Quelle, Abrufdatum. Wo eine Seite verschwinden könnte, verweisen wir zusätzlich auf eine Archivfassung. Wo wir ein Dokument selbst haben, hängt es als Belegkopie daran. Eingeklappt deshalb, weil wer liest, lesen will — und wer prüft, einen Klick entfernt ist. Beim Ausdrucken ist der Apparat automatisch offen.
Und wenn wir etwas ändern, steht das darunter. Sichtbar, mit Datum, ohne Aufklappen. Ein Beitrag, der eine Korrektur trägt, ist uns lieber als einer, der stillschweigend überarbeitet wurde.
Warum diese Technik
Die Website läuft mit Kirby. Drei Gründe, in absteigender Wichtigkeit.
Ein Beitrag ist ein Ordner. Kirby speichert Texte nicht in einer Datenbank, sondern als schlichte Textdateien. Ein Artikel liegt in einem Verzeichnis, die Bilder daneben. Wer wissen will, was hier steht, kann hineinschauen — es braucht kein Werkzeug und keine Abfragesprache. Das klingt banal, ist aber der Unterschied zwischen einem Archiv, das man versteht, und einem, dem man vertrauen muss.
Es läuft auf unserem Server. Keine fremde Plattform, die Reichweite drosselt oder Konten sperrt, kein Dienst, dessen Geschäftsmodell sich ändern kann. Der Server steht in Wien, wir zahlen dafür, wir kontrollieren den Zugang. Verschlüsselte Sicherungskopien an einem zweiten Ort kommen als Nächstes.
Einmal zahlen statt monatlich. Die Lizenz kostet 99 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, einmalig und ohne Laufzeit. Für ein Projekt ohne Werbung und ohne Bezahlschranke ist Berechenbarkeit mehr wert als ein niedriger Einstiegspreis mit offenem Ende.
Eine Anmerkung zur Vollständigkeit: Wir hatten zunächst eine kostenlose Lizenz aus dem Förderprogramm des Herstellers angefragt. Die Absage kam mit der Begründung, Projekte mit politischem Bezug seien vom Programm nicht erfasst, und bei einem noch nicht gegründeten Verein lasse sich keine Vorgeschichte prüfen. Das ist eine nachvollziehbare Regel, und wir haben die Lizenz regulär erworben.
Was Sie hier tun können
Die Seite hat inzwischen einiges, was das Nachlesen erleichtert.
Die Schlagworte unter jedem Beitrag sind anklickbar und führen auf eine Übersicht, auf der alle vergebenen Schlagworte stehen — größer, je häufiger sie vorkommen. Wer sich für ein Thema interessiert, sieht auf einen Blick, ob wir dazu etwas haben.
Die Suche oben durchsucht Titel, Anrisse, Fließtext und Schlagworte. Sie arbeitet auf unserem eigenen Server; Ihre Suchbegriffe gehen nirgendwohin.
Am Ende jedes Beitrags kommen Sie vor und zurück zum nächsten und vorigen Text, mit Titel statt bloßem Pfeil. Der RSS-Feed bringt neue Beiträge in Ihren Reader, ohne dass Sie hier vorbeischauen müssen.
Unter jedem Beitrag stehen Schaltflächen zum Teilen. Die sind schlichte Verweise — es werden keine Skripte von Facebook, Bluesky oder anderswo geladen, solange Sie nicht selbst klicken. Uns wäre unangenehm, wenn ausgerechnet auf dieser Seite jemand mitgezählt würde.
Über das Kontaktformular erreichen Sie uns, ohne eine Mailadresse in die Hand nehmen zu müssen. Hinweise, Korrekturen, Widerspruch — alles willkommen. Wenn wir etwas falsch haben, wollen wir es wissen.
Und weil manche lieber hell und manche lieber dunkel lesen: oben rechts der Schalter. Ihre Wahl merkt sich Ihr Browser.
Wo das hier steht
Wir stehen am Anfang. Diese Seite ist wenige Tage alt, es liegen eine Handvoll Beiträge darauf, und einiges ist noch Baustelle. Ein Weg, uns etwas vertraulich zuzuspielen, fehlt zum Beispiel — darüber reden wir gerade, weil er ordentlich gebaut sein muss oder gar nicht.
Wir sagen das lieber, als es zu verschweigen. Ein Projekt, das größer tut, als es ist, hat schon verloren, bevor es anfängt.
Was steht, ist das Wesentliche: die Werkstatt, der Weg von dort hierher, die Belegpflicht, der Quellenapparat. Der Rest kommt schrittweise.
Der Verein
Im Oktober 2026 gründen wir einen Verein mit Sitz in Viechtach. Das ist keine Formalie, sondern praktisch: Ein Verein kann Verträge schließen, haftet als Körperschaft und macht sichtbar, dass hinter der Arbeit mehr steht als eine Einzelperson.
Mitglied werden kann jeder, der die Arbeit unterstützen will. Der Beitrag liegt bei rund drei Euro im Monat. Davon bezahlen wir Server, Lizenzen und Sicherungskopien — mehr braucht es nicht, und mehr wollen wir auch nicht. Eine Gewinnerzielungsabsicht gibt es nicht und wird es nicht geben.
Drei Euro sind ungefähr eine Tasse Kaffee. Dafür bekommen Sie keine Vorteile, keinen Zugang zu geheimen Bereichen, keine Prämie. Sie bekommen die Gewissheit, dass diese Seite nächstes Jahr noch da ist und dass niemand sie bezahlt, der etwas dafür haben will.
Wer mitarbeiten möchte statt nur zu unterstützen: umso besser. Es geht dabei nicht darum, Meinungen zu haben — Meinungen hat jeder. Es geht um Leute, die einen Sitzungstermin wahrnehmen und mitschreiben. Die ein Protokoll durchsehen, weil sie Protokolle lesen können. Die Zeitungsausschnitte aufheben. Die eine Satzung verstehen oder eine Bilanz. Die aus der Gegend kommen und wissen, wer wen kennt — das steht in keinem Dokument.
Und es geht um Leute, die Nein sagen, wenn ein Beleg nicht trägt. Davon kann man nie genug haben.
Man muss nicht schreiben können, um mitzuarbeiten. Die meiste Arbeit passiert vor dem Schreiben. Und man muss nicht viel Zeit haben — ein Fundstück im Monat ist mehr, als es klingt.
Wie es geht, steht unter Mitmachen. Dort finden Sie auch, was uns für die Eintragung ins Vereinsregister noch fehlt.
Wer erst einmal mitlesen will: abonnieren Sie den Feed. Wer eine Frage hat: schreiben Sie uns.
Wir freuen uns über jeden, der dazukommt.